Interview mit Marco Prey zum Thema: Konditionstraining – Vorbereitung auf die Saison

Das heutige Thema der monatlich erscheinenden Interviewreihe heißt „Konditionstraining – Vorbereitung auf die Saison“. Ein entscheidender Faktor beim Basketball ist die konditionelle Fitness, die auch das ein oder andere Spiel entscheiden kann. Auch wenn der Stellenwert, abhängig vom Team (Jugend oder Seniorenteam), variieren kann, so spielt die Kondition doch meist eine wichtige Rolle.

Martin: Hallo Marco. Wir treffen uns heute, um ein wenig über das Konditionstraining zu plaudern. Ich beginne unser Gespräch mal mit folgender Frage. Wie wichtig war die Kondition für dein Team?

Marco: Hallo Martin, für mein Team war die Kondition ein ganz wichtiger Aspekt. Da wir ein kleines Team waren, mussten wir fehlende Körperlänge kompensieren. Das haben wir unter Anderem mit einem kleinen konditionellem Vorsprung versucht. Davon abgesehen gibt es in der 1. Regionalliga keine Teams mehr, die konditionelle Defizite haben. Man ist also ohnehin dazu gezwungen, ein topfittes Team in die Saison zu schicken.

Martin: Manche Coaches vertreten die These, dass es kein gesondertes Konditionstraining braucht, wenn das eigentliche Training immer anstrengend ist. Wie denkst du darüber?

Marco: Da ist sicherlich was dran, nur darf man nicht vergessen, dass im Konditionstraining auch Lauf- und Sprintschule vermittelt wird, sowie Koordinationstraining und Athletiktraining. Es macht also schon Sinn, ein gesondertes Konditionstraining abzuhalten, um all diesen Themen gerecht werden zu können. Zum Anderen bietet das Konditionstraining individuell auf einzelne Spieler einzugehen und mit gezielten Übungen Defizite zu beseitigen. Das funktioniert in einem normalen und anstrengendem Training nicht. Und zumindest für Seniorenteams in höheren Ligen ist in den Trainingseinheiten die Intensität ohnehin meist sehr hoch.

Martin: Ich möchte nun auf die einzelnen Konditionsarten zu sprechen kommen. Wie wichtig sind diese im Vergleich miteinander für die Ausübung des Sports Basketball?

Marco: Sicherlich haben die Schnelligkeitsausdauer aber auch die Kraftausdauer einen besonderen Stellenwert, da man sich beim Basketball immer sehr schnell bewegen muss. Es ist ein ewiges Sprinten, Abstoppen, wieder Sprinten und Springen.
Es bringt einem Basketballspieler sehr wenig, beispielsweise 10Km zu laufen. Das schaffen alle, ist aber für den Sport nur wenig relevant.
Aber auch Maximalkraft und Schnelligkeitstraining dürfen auf keinen Fall fehlen. Somit müssen wir ziemlich umfassend Kondition trainieren.

Martin: Macht es denn schon Sinn mit einer U12 z.B. Schnelligkeitstraining zu trainieren?

Marco: Ja, selbstverständlich. Gerade im Alter von 12-14 Jahren sollten dahingehend ein paar Übungen durchgeführt werden. Der Körper befindet sich im Wachstum und es ist in diesem Alter noch möglich, einen Grundstein zu legen und bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten zu beeinflussen und auszuprägen. Der Mensch verfügt über schnell- und langsamzuckende Muskeln. Die so genannten Fast- and Slow-Twitch-Fasern. In dem Alter von 12-15 Jahren kann man durch Schnelligkeitstraining die noch unentschlossenen Muskeln zu Fast Twitches ausbilden. Sicherlich ist ein großer Teil genetisch bedingt, aber zumindest auf einen kleinen Teil kann man noch Einfluss nehmen. Es ist zwar jeder in der Lage ein Ausdauersportler zu werden, aber nur wenige können Sprinter werden. Und beim Basketball wird letzteres benötigt. Es ist aber auch darauf zu achten, dass das Training altersgemäß ausfällt und vor Allem den jeweiligen Trainingsstand berücksichtig. Mit dem Einsatz von zusätzlichen Gewichten in jungen Jahren rate ich eher ab. Es gibt auch viele Übungen, die man mit dem eigenen oder einem Teil des eigenen Körpergewichts machen kann.
Auch würde ich frühzeitig darauf achten, dass ein gewisser Anteil Athletiktraining in jungen Jahren absolviert wird. Dazu gehört sicherlich ein guter Laufstil usw.

Martin: Also sollte man recht früh damit beginnen, bevor es zu spät ist oder gibt es keinen Zeitpunkt, an dem es zu spät ist so etwas zu lernen?

Marco: Richtig, es sollte frühzeitig begonnen werden. Wenn jemand beispielsweise 18 Jahre alt ist oder noch älter, dann wird es schon schwer und trainingsaufwendig, noch signifikante Verbesserungen zu erzielen. Von dem Standpunkt aus ist es also schon zu spät.

Martin: Die meisten Coaches werden ihr Team nur zwei Mal die Woche für ca. 90 Minuten in der Halle haben. Wie kann man unter den Umständen Konditionstraining praktizieren? Du sagtest ja, dass Konditionstraining schwer ins Training zu integrieren ist.

Marco: Man muss ja nicht das ganze Jahr über Konditionstraining praktizieren. Meist ist das ja ein Thema nur für die Saisonvorbereitung und vielleicht ist es dem Einen oder Anderen ja möglich, sich ein Mal die Woche mit seinem Team auf einer Wiese, in einem Park oder dergleichen zu treffen, um dort ein wenig zu trainieren. Ansonsten muss man ja auch zu Beginn des normalen Trainings in der Halle nicht immer Korbleger links / rechts machen, sondern macht Laufschule zum Warm-up. Das verbessert zwar nicht die Kondition, aber dafür die Athletik des Teams. Und ansonsten muss man sich mal 5-10 Minuten im Training nehmen, um spezielle Konditionsübungen zu machen. Es ist aber auch möglich, mit z.B. vermehrtem Fast Break im Training an der Kondition zu arbeiten.

Martin: Wenn man extra Konditionstraining macht, dann möchte man ja damit erreichen, dass sein Team sich in dem Bereich verbessert. Wie lassen sich die Erfolge überprüfen?

Marco: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen lässt man das Team bestimmte Übungen vor Beginn des Konditionstraining machen und dann noch mal nach dem Konditionstraining. Anhand der gelaufen Zeiten oder gesprungenen Höhen lässt sich dann der Erfolg messen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, immer den Puls zu messen. Die Regenerationszeiten sollten mit zunehmender Dauer abnehmen. Ein kleines Beispiel. Ich lasse mein Team 400 Meter laufen. Die Strecke sollen sie so schnell wie möglich laufen. Nachdem sie im Ziel sind, soll jeder seinen Puls messen und dann jeweils im Abstand von je einer Minute.

Das könnte dann so aussehen:

– Puls nach Erreichen des Ziels: 170
– nach einer Minute: 150
– und nach einer weiteren Minute: 130.

Nach z.B. einer Woche Konditionstraining wird dieser Lauf wiederholt. Nun ergeben sich folgende Zeiten:
– Puls nach Erreichen des Ziels: 165
– nach einer Minute: 145
– und nach einer weiteren Minute: 115.

Wenn man die Möglichkeit hat, in einem Trainingszentrum zu trainieren, dann könnte man auch Laktatmessungen vornehmen, aber ich denke, das wird den meisten wohl nicht möglich sein.
Die letzte Möglichkeit den Erfolg zu messen (subjektive Methode), ist mit dem Team zu reden, wie sie sich fühlen, ob sie eine Verbesserung merken usw. Aus diesem Feedback lässt sich auch erkennen, ob ein Konditionstraining erfolgreich war oder nicht.

Martin: Wenn ich nun meine Übungen für mein Konditionstraining zusammengestellt habe, wie kann ich nun ermitteln, wie lange die Pausen zwischen den einzelnen Übungen sein sollen oder müssen?

Marco: Das ist auch abhängig davon, welche Konditionsart trainiert werden soll. Beim Schnelligkeitstraining liegt die Belastungszeit zwischen ca. 3 und 10 Sekunden. Die Regenerationszeit muss zwangsläufig sehr lang sein, da beim nächsten Durchgang wieder annährend 100% der Leistungsfähigkeit zur Verfügung stehen sollen. Ein Trainingseffekt wird hier nur erzielt, wenn es dem Athleten möglich ist, immer seine maximale Schnelligkeit abzurufen. Pausen von 2-3 Minuten sind hier durchaus üblich.
Trainiert man hingegen Schnelligkeitsausdauer, so habe ich darauf geachtet, dass der Puls wieder bei 120 angekommen war und dann die nächste Übung durchgeführt. Eine fast vollständige Erholung ist hier nicht notwendig und auch nicht wünschenswert.
Ähnlich verhält es sich beim Maximalkrafttraining und Kraftausdauertraining.

Martin: Und wie lange sollten die Pausen zwischen den einzelnen Konditionseinheiten sein?

Marco: Du sprichst damit das Thema Superkompensation an. Ein wichtiger und gleichzeitig schwieriger Punkt. Es ist keinem Coach möglich in den Athleten reinzugucken, um festzustellen, ob dieser optimal pausiert hat. Noch schwieriger wird es, wenn das Team stark unterschiedliche Trainingsgrade aufweist. So könnte es sein, dass einige Spieler bereits am übernächsten Tag wieder trainieren könnten, andere aber noch einen Tag Pause bräuchten. Grundsätzlich bleibt uns Coaches da nur die Möglichkeit, mit unserem Team in den Dialog zu treten und ganz simpel nachzufragen, wie erholt sie sich fühlen. Dementsprechend gestalten sich die Pausen zwischen den einzelnen Konditionstrainings. Bei meinem Team haben wir ein dreiwöchiges Konditionstraining absolviert und jeweils einen Tag Pause zwischen den Trainingstagen gehabt. Das passte ganz gut und stellte den besten Mittelweg dar.

Martin: Und woraus genau bestand euer Konditionstraining? Gab es Schwerpunkte?

Marco: Wenn notwendig, haben wir noch ein wenig Ausdauertraining betrieben. Das heißt, wir sind lange Strecken gelaufen und haben zwischenzeitliche Intervallläufe absolviert. Meist war dies aber nicht notwendig. Unser Schwerpunkt lag meist auf dem Schnelligkeitsausdauertraining. Grundsätzlich haben wir aber auch KSÜ’s gemacht, Schnelligkeitstraining und Kraftausdauer sowie Maximalkrafttraining. In den letzten Jahren habe ich das Team in Gruppen aufgeteilt, sodass die Spielerinnen gezielt an ihren Defiziten arbeiten konnten.

Martin: Habt ihr das Konditionstraining in der Halle abgehalten?

Marco: Nein, in den ersten 3 Wochen der Sommerferien hatten wir nie eine Halle. Genau in dieser Zeit haben wir unser Konditionstraining in einem Park abgehalten. Der war für uns optimal, da dieser auch einen Trimm-Dich-Pfad hatte, der kleine Hügel, viele Treppen usw. beinhaltete. Die letzten sechs Jahre haben wir fast ausschließlich SPARQ Training gemacht. Konditionstraining ist eine dröge Angelegenheit. Mit diesen Trainingsgeräten kam wieder mehr Spaß in das Konditionstraining. Wer keinen Spaß daran hat, wird nie alles geben und sich somit auch nicht optimal verbessern. Von daher ist das ein ganz wichtiger Punkt. Es bringt mir nichts ein Team 2 Stunden trainieren zu lassen, wenn dieses sich mehr schlecht als recht durchschleppt.

Martin: Ja, das SPARQ Training hattest du im Februar hier bei der Coaches-Clinic vorgestellt. Ein wirklich beeindruckendes Programm. Aber wie können Coaches ein gutes Konditionstraining absolvieren, die ohne Hilfsmittel auskommen müssen?

Marco: Um das, meines Erachtens, notwendigste zu trainieren, reicht ein guter Laufplan, der über 2 bis 3 Wochen andauert. Ich denke mal, dass das für die meisten Teams ausreichend ist.
Ich habe hier mal einen Laufplan zur Verfügung gestellt, den ich mal für einen Herrenteam in der Oberliga erstellt hatte.

Laufplan (Link zum PDF-Dokument)

Martin: Für Jugendteams, die Schnelligkeitstraining praktizieren wollen, ist das aber nichts, oder?

Marco: Nein, der richtet sich primär an U18 und höher und Seniorenteams. Interessierte können sich ja mal die folgenden Quellen ansehen:

Ansonsten kann man natürlich Standardübungen wie z.B. Fallstarts mit anschließendem 10-15 Meter Sprint machen oder einen Tennisball aus ca. 2m Höhe fallen lassen und der Athlet gegenüber muss mittels eines schnellen Ausfallschritts den Ball fangen, bevor dieser den Boden berührt. Wenn man im Internet sucht, dann werden sicherlich noch mehr Übungen zu finden sein.

Martin: Okay. Damit sind wir auch schon wieder am Ende angekommen. Ich danke dir für das Interview und freue mich auf das nächste Mal.

Marco: Ich danke auch und bis zum nächsten Mal.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*