Interview mit Marco Prey zum Thema „Wie analysiere ich einen Gegner und wie bereite ich mich auf diesen gezielt vor?“

Auf diese Problemstellungen werden viele Trainer treffen. Einige Trainer werden sich die Zeit nehmen und den nächsten oder übernächsten Gegner bei einem Spiel als Zuschauer beobachten. Andere, die vielleicht nicht die Zeit aufbringen können, wollen einfach aufgrund des Hinspiels das Rückspiel besser bestreiten wollen. „Wie erkenne ich, was der Gegner spielt, wie kann ich den Gegner schlagen, was muss ich bei der Vorbereitung bedenken=“ sind dabei sicherlich entscheidende Fragen.

Martin: Hallo Marco, ich habe mir zu diesem Interview ein nicht gerade einfaches Thema ausgesucht, das aber jeden Trainer interessieren dürfte. Fangen wir mal mit den Möglichkeiten an, wie man einen Gegner analysieren kann oder sollte. Worauf schaust Du beim Gegner immer als erstes, wenn Du wissen willst, was oder wie er spielt?

Marco: Hallo Martin. Das Thema ist sicherlich nicht das einfachste und jeder wird da – auch bedingt durch den zeitlichen Rahmen – seinen eigenen Weg finden müssen. Zuerst möchte ich festhalten, dass ich bei meinen Antworten von einem Seniorenteam in einer höheren Liga ausgehe. Ich denke nicht, dass ein Scouting für eine U14 sonderlich von Interesse ist oder dass ich viel dazu erzählen könnte. Und das wirft auch schon die erste wichtige Frage auf. Wann ist ein Scouting oder eine Analyse des Gegners überhaupt notwendig? Meiner Meinung nach wird es dann notwendig, wenn man in einer Liga spielt, in der auch eine gewisse Vielfalt an taktischen Möglichkeiten vorhanden ist. Dies bedeutet, dass die Spieler sich – bis auf Ausnahmen – nicht mehr großartig voneinander unterscheiden, sodass der Faktor Talent zu vernachlässigen ist bzw. dass sich das individuelle Können auf einem Level bewegt. Ansonsten müsste man ja nicht scouten, wenn ein Team ohnehin, durch welche Gründe auch immer – dem anderen überlegen ist.
Wenn ich mir einen Gegner das erste Mal ansehe, dann analysiere ich keine Details (es sei denn, ich habe nur diese eine Möglichkeit das Team zu sehen). Ich versuche einen Gesamteindruck von dem Spiel zu bekommen, ich achte auch auf das Verhalten des Coaches, ob sich z.B. nach einer Auszeit etwas signifikantes an der Spielweise ändert usw.
Bei diesem ersten Eindruck fallen sicherlich schon einige Spieler auf, die – zumindest an diesem Tag – ein gutes Spiel abliefern. Auch aus diesem Grund ist es ratsam, sich seinen Gegner mehrmals anzusehen.

Martin: Fangen wir jetzt mal mit der Offense des Gegners an. Wie erkenne ich, was der Gegner spielt? Achtest Du mehr auf die Taktik (Setplays) des Gegners oder schaust Du mehr auf die einzelnen Spieler?

Marco: In erster Linie sollte man als Coach viel Erfahrungen mit Systemen haben und so ziemlich alle gängigen Systeme oder Varianten kennen, die es gibt. Ich rede zum Beispiel von einer Flex-Offense, UCLA-Cuts, „5 out“ oder „4 out 1 in“ Motion Offenses. Guckt man sich ein Spiel des Gegners an, kommt es oft vor, dass Systeme vorzeitig beendet werden oder frühzeitig auf Grund von Fehlern in der Defense improvisiert wird. Trotzdem sollte man als Coach eine ungefähre Ahnung davon haben, wie das System weiterlaufen könnte und worauf es grundsätzlich abzielt. Ohne dieses Wissen kann man sein Team nicht wirklich gut vorbereiten. Wenn man selber über Taktiken oder Systeme einiges weiß, dann fällt es einem meist auch nicht mehr schwer zu sehen, was der Gegner in der Offense spielt. Achtet man auf den Point Guard, dann zeigt er irgendetwas an oder ruft einen Namen oder eine Nummer. Zu den angesagten Systemen schreibt man sich dann das Setplay, das der Gegner spielt, auf. In meinem Team standen zum Beispiel Farben immer für das jeweilige System in der Defense und Namen für ein bestimmtes Setplay in der Offense. Einzelne Spieler kategorisiere ich in ihre Stärken und Positionen. Ich notiere mir dann beispielsweise die Shooting Guards und etwaige Besonderheiten und so gehe ich dann für jeden Spieler vor.

Martin: Analysierst Du jeden Spieler mit seinen Stärken und Schwächen oder suchst Du dir nur die auffälligen Spieler heraus?

Marco: So ziemlich jedes Team hat seine „Zitronen“ (schmunzel). Wir haben die SpielerInnen immer Zitronen genannt, die kein nennenswerter Faktor waren. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Spielern, die für das gegnerische Team wirklich wichtig sind. Eine „Zitrone“ wird nicht plötzlich an einem Abend 10 Rebounds holen und 20 Punkte erzielen. Wenn man sein Team auf die wichtigsten 3-5 Spieler vorbereitet und auf genau deren Stärken (max. 2 Stärken pro Spieler), dann ist das ausreichend. Immerhin muss sich ein Team das alles auch merken und das jede Woche für einen anderen Gegner. Und ich möchte auch nicht, dass mein Team auf dem Feld nur noch am Nachdenken ist, sondern auch spielt!

Martin: Schaust Du gezielt auf „Missmatches“ beim Gegner, sprich darauf, wo Du für dein Team Vorteile auf einer Position oder gegen einen bestimmten Spieler siehst?

Marco: Die fallen mir sicherlich auf und sowas sieht man auch schnell, aber ich lege da keinen größeren Wert drauf. Davon abgesehen haben meine Spielerinnen Missmatches auch größtenteils alleine gesehen und versucht sie nutzen, aber ab einer gewissen Liga wissen die meisten Coaches, was sie machen und sie werden sicherlich auch wissen, wenn sie z.B. einen für die Liga sehr kleinen Flügelspieler haben, dass der andere versuchen wird, sich gegen ihn aufzuposten. Davon ausgehend werden sie für dieses Problem auch eine Lösung haben. Das heißt natürlich nicht, dass man es nicht probieren sollte, aber man sollte sich nicht zu viel davon versprechen. Manchmal kann es auch ratsam sein, Missmatches nicht zu nutzen. Das ist immer dann der Fall, wenn man befürchtet, dass der gegnerische Coach eventuell auf eine Zone umstellen wird und man von seinem eigenen Team weiß, dass es gegen eine Zone schlechter spielen wird als gegen eine Manndeckung. Insofern kann es durchaus sinnvoll sein auf den kurzfristigen Erfolg durch Missmatches zu Gunsten des langfristigen Erfolgs gegen eine Manndeckung zu verzichten.

Martin: Wie gehst Du vor, wenn Du gegen dein Team „Missmatches“ ausmachst, also Spieler des Gegners körperlich oder technisch im Vorteil sind?

Marco: Ich weiß bei meinem Team, wo die Missmatches liegen und werde dementsprechend darauf reagieren, wenn der Gegner versucht diese auszunutzen. Sei es durch ein Switching in der Defense, einen Spielerwechsel, eine Auszeit oder durch ein weiteres Absinken der Helpside. Das richtet sich natürlich immer danach, auf welcher Position das Missmatch gespielt wird und gegen wen. Ich würde z.B. nicht meinen besten Spieler in der Offense vom Feld nehmen, weil es in der Defense ein Missmatch gegen ihn gibt. Sicherlich wird es auch für diesen Fall eine Ausnahme geben, aber das vernachlässigen wir jetzt mal.
Martin: Wenn Du dir ein Spiel zwischen zwei Ligakonkurrenten ansiehst, stellst Du dir dann insgeheim deine eigene Fünf auf, mit der Du gegen das Team spielen würdest?
Marco: Nein, das mache ich nicht. Meine „Starting 5“ steht soweit, ist eingespielt und weiß, was sie zu tun hat. Notwendige Modifikationen werden in der Trainingswoche vorher vorgenommen, um auf den Gegner bestmöglich reagieren zu können. Außerdem möchte ich auch nicht mit einer ständig wechselnden „Starting 5“ während der Saison agieren. Das bringt meist nur Unruhe ins Team und entfacht womöglich neue Kämpfe um Plätze in der „Starting 5“. Dies ist aber wie so vieles im Basketball oder im Sport allgemein eine Philosophiefrage.

Martin: Kommen wir mal zur Defense. Wie erkennt man am besten, was der Gegner spielt? Eine 3-2 Zone und eine Mannverteidigung sehen ja zum Beispiel zu Beginn ziemlich gleich aus.

Marco: Eine Zonenverteidigung erkennt man am Besten daran, wenn man beim Scouting herausgefunden hat, was das Signal dafür ist. Kein Team wird von alleine intuitiv eine Zonenverteidigung spielen. Das würde ja bedeuten, dass 5 Spieler zur gleichen Zeit den gleichen Gedanken haben. Es gilt beim Scouting die Gesetzmäßigkeit erkannt zu haben. Das kann eine Nummer, ein Name, eine Farbe, aber auch ein Ereignis, wie z.B. nach jedem erfolgreichen Korb wird Zone gespielt, sein. Ansonsten erkennt man eine Zonenverteidigung immer recht schnell daran, dass sich keiner der Verteidiger auf bestimmte Spieler zubewegt, sondern einfach nur schnell nach hinten zu der ihm zugedachten Position in der Zone läuft. Irgendjemand spielt in der Zone immer „unten“. Wenn da ein oder zwei Spieler ohne dazugehörige Offense stehen, dann ist es eine Zonenverteidigung.

Martin: Unter welchen Gesichtspunkten findet man heraus, was man gegen die Defense am Besten spielen kann?

Marco: Naja, erst einmal gibt es ja nur zwei Möglichkeiten. Die Defense spielt Zone oder Manndeckung (Varianten lassen wir jetzt mal außenvor). Dementsprechend wird jedes Team etwas in seinem taktischen Repertoire haben, was man dagegen spielt und das wird dann vom Coach oder Point Guard angesagt und gespielt. Je nach dem wie die Defense reagiert, kann es sein, dass Modifikationen vorgenommen werden müssen oder aber nur bestimmte Varianten aus den Systemen zum Tragen kommen. Darauf sollte man sein Team aber schon vor dem Spiel vorbereitet haben, sodass es weiß, was der Gegner spielt und welche Systeme mit welchen Ausstiegen dann gespielt werden.

Martin: Nicht jeder Trainer wird die Zeit haben, sich seine Gegner immer noch zusätzlich in anderen Ligaspielen anzuschauen. Welche Schlüsse kann man aus einem Hinspiel ziehen, um das Rückspiel besser zu bestreiten oder ebenfalls gewinnen zu können?

Marco: Das Vorgehen ist das Gleiche wie bei der Beobachtung des Gegners in einem anderen Spiel, nur lassen sich noch bessere Rückschlüsse ziehen, da das eigene Team dort agiert und nicht irgendein anderes. Das Problem ist nur, dass man sich als Coach, der ohne weitere Hilfe auskommen muss, auf das Spiel konzentrieren muss und nicht primär das Scouting verfolgen kann.

Martin: Wenn man jetzt weiß, was der Gegner spielt, verbiegt man jetzt seine eigene Offense und lässt sie ggf. etwas spielen, was man nicht so gut kann, oder setzt man auf die eigenen Stärken und spielt das was man kann?

Marco: Dies kann ich keinem Empfehlen. Ein Beispiel: Wenn unser Gegner in der Defense gewechselt hat, sagen wir von Zone auf Manndeckung und mein Point Guard das nicht bemerkt hat, zusätzlich ist es in der Halle so laut, dass ich nicht gehört wurde, dann haben wir eben ein System, das eigentlich gegen eine Zone gedacht ist, gegen eine Manndeckung gespielt. Das ist erheblich erfolgsversprechender, als nach 10 Sekunden festzustellen, dass es das falsche System war, dann als Point Guard den Ball zurückzufordern, ein anderes System anzusagen, zu warten bis die Leute neu positioniert sind und dann mit nur noch 6 Sekunden Restzeit auf der Shotclock zu versuchen einen Korb zu erzielen. Fazit: Das wird nichts.
Letztlich macht ein guter Coach sich vor der Saison Gedanken um alle Systeme, egal ob Defense, Offense, Fastbreak, Secondary Offense oder Pressbreak, um mit diesem Repertoire gegen alles gewappnet zu sein, was seinem Team in der Saison widerfahren könnte. Ein System übt man nicht eben mal ein und spielt es dann am nächsten Wochenende. Vielmehr sollten die Systeme so flexibel sein, dass sie schnell und einfach zu modifizieren sind und sich somit gegen möglichst viele Verteidigungsvarianten eignen. Das bietet den unschlagbaren Vorteil, dass das Grundgerüst immer da ist und in der Vorbereitungswoche nur noch die einzelnen Abschlüsse geübt werden müssen.
Martin: Mit der letzten Frage sind wir ja fast bei der Vorbereitung angelangt. Wie bereite ich mich gezielt auf einen Gegner vor? Wie wichtig ist es, dem eigenen Team die Taktik des Gegners zu erklären und insbesondere wie man diese entscheidend stören kann?
Marco: Nach der Analyse eines Gegners muss man sich als Coach überlegen, wie viel Vorbereitung das eigene Team verträgt. Es gibt Teams, die kann man ganz gut „verbiegen“ und die merken sich schnell neue Sachen und andere, die zu viele Informationen einfach überfordern und dann völlig aus dem Konzept kommen, weil sie zu viel nachdenken. Das könnte auch der wichtigste Punkt sein. Man muss wissen, was sein Team umsetzen kann und was nicht. Hat man die Vorbereitung auf die wichtigsten Punkte reduziert, geht es darum, seinem Team die Erkenntnisse und Maßnahmen zu vermitteln. Ich möchte das mal grob an einem Beispiel mit meinem Team erläutern.

1. Trainingstag in der Woche:
Besprechung des Spiels vom letzten Wochenende und erste einleitende Worte zu dem nächsten Gegner. Dann folgte das Warm-up, anschließend sind wir die auf den nächsten Gegner modifizierten Systeme durchgegangen (natürlich laufen wir alle Systeme immer wieder durch, aber vermehrt die, bei denen Änderungen auftreten) und ich habe erläutert, worauf es ankommt. Hier nenne ich auch schon Namen gegnerischer Spieler und sage meinen Spielern, worauf sie explizit achten müssen. Während des Stretchings nutze ich die Zeit, um meinem Team etwas über die wichtigsten 2-3 Spieler und das Team im Allgemeinen zu erzählen. Somit bringe ich mein Team dazu, sich gedanklich immer mehr mit dem nächsten Spiel zu beschäftigen. Dann folgen noch Fastbreak, Schusstraining, positionsbezogenes Training, 3 gegen 3 und 5 gegen 5 Spiele usw.

2. Trainingstag in der Woche:
Zum Warm-up laufen wir die modifizierten und auf den nächsten Gegner abgestimmten Systeme durch. Während des Stretchings erzähle ich wieder genau das Gleiche wie bei der vorherigen Trainingseinheit, um die Informationen bei meinem Team zu festigen.
Ich lasse bei den 5 gegen 5 Spielen ein Team so verteidigen, wie es der Gegner macht und übe mit dem anderem Team die Systeme dagegen. Das sollte man aber nur machen, wenn das Team schnell vergessen kann, ansonsten ist das Gift für ein Team Dinge zu spielen, die sie nie wieder spielen werden und auch nicht zur Teamphilosophie gehören. Des Weiteren sind noch Fastbreak, Schusstraining, positionsbezogenes Training und ein paar Kombi-Drills Bestandteil des Trainings.

3. Trainingstag in der Woche:
Der 3. Trainingstag in der Woche ist der Freitag, also einem Tag vor dem Spiel. Hier trainieren wir nur noch die Hälfte der Zeit (also 1 Std.) mit 100%. Die andere Stunde wird lockeres Schusstraining gemacht sowie positionsbezogene Übungen und typische Situationen, wie sie im Spiel auftreten werden. Diese „Situation Games“ werden dann immer wieder durchgegangen und anschließend besprochen. Auch Fragen von Spielern sind hier erlaubt. Hier erläutere ich auch noch mal detailliert, was ich von einzelnen Leuten erwarte und erkläre den anderen Spielern, warum z.B. seine Aufgabe hier eine andere ist als sonst und wie sie sich verhalten sollen.

Im Großen und Ganzen kann man sich nun hoffentlich vorstellen, wie eine Vorbereitung aussehen könnte.

Martin: Wenn der Gegner eine Ganzfeldpresse spielt ist es ja besonders wichtig, dass das Team von der ersten Sekunde an weiß, was es dagegen zu tun hat. Soll das im Training oder kurz vor Spielbeginn noch mal angesprochen werden, um es in Erinnerung zu rufen?

Marco: Wenn das gegnerische Team dafür bekannt ist, häufig eine Presse zu spielen, dann weise ich im Training darauf hin und wir üben unsere Pressbreaks noch mal etwas mehr. Gegebenenfalls werden auch hier Modifikationen vorgenommen, wenn dies notwendig erscheint. Vor Spielbeginn sage ich nur noch ganz kurz was zu den Dingen, die wir im Training gemacht haben. Die Spieler wollen jetzt spielen und ich erinnere lediglich noch mal an bestimmte Aspekte. Primär ist die Ansprache vor dem Spiel aber motivatorisch ausgelegt. Ich sage dann noch was zu den Schiedsrichtern, erinnere noch mal an unseren Gameplan und dann geht’s los. Es macht keinen Sinn 30 Minuten vor Spielbeginn seinem Team völlig neue Sachen zu erzählen. Das verunsichert sie nur.

Martin: Was kannst Du zu dem Stichwort „Gameplan“ sagen? Wie muss ein solcher aussehen und wann macht dieser Sinn?

Marco: Über Sinn und Unsinn möchte ich nicht urteilen. Das obliegt der Philosophie eines jeden Coaches. Ich persönlich halte nichts von einem Gameplan, der vorgibt, wie von der ersten bis zur letzten Minute gespielt wird. Das lässt sich einfach nicht vorhersagen. Von daher mache ich mir auch nicht die Mühe mein Team mit der Information zu belasten, wie es im letzten Viertel spielen soll. Mein Gameplan bezieht sich ausschließlich auf das maximal erste Viertel. Wenn sich jeder Spieler an seine Aufgaben hält und die Details stimmen, dann fügt sich das zu einem großen Bild zusammen. Das versuche ich mit meinem Gameplan zu skizzieren oder zu beschreiben. Es hilft den Spielern in den Rhythmus zu kommen und vermittelt ihnen eine Vorstellung davon, wie wir insgesamt agieren wollen.
Martin: Jetzt noch eine Frage, die etwas aus dem Thema herausrutscht. Ich stehe in der Halle und spiele gegen einen Gegner, den ich gar nicht kenne (z.B. Pokal oder ein neues Team in der Liga). Wie sammle ich möglichst schnell nach dem Sprungball die nötigen Eindrücke? Worauf muss ich achten, um mein Team möglichst schnell einzustellen?
Marco: Nach dem Sprungball Eindrücke zu sammeln ist zu spät. Viele und vor allem wertvolle Informationen erhält man bereits, wenn man sich das Warm-up des Gegners ansieht. Hier wird schon deutlich wer schnell ist, wer einfach nur lang ist, wer Dreier wirft, wer das Sagen hat usw. Manche Gegner laufen auch noch mal kurz ihre Systeme durch, während man mit seinem eigenen Team in der Umkleide zur Besprechung ist. Es kann sich also durchaus lohnen, den A-Coach in der Halle zu lassen, sodass er sich dies ansehen kann. Ansonsten sage ich meinem Team, dass wir unser Spiel durchziehen wollen und sie sich auch nur darauf konzentrieren sollen. Als Coach ist es meine Aufgabe nach dem Beginn des Spiels den Gegner zu analysieren und eventuell zu reagieren. Wenn gar nichts zusammenläuft, muss eben eine Auszeit herhalten, aber meist reicht es wenn ich als Coach die Systeme dann ansage und das meinem Point Guard abnehme. Ich möchte nicht, dass sich mein Point Guard, während er auf dem Feld ist, damit beschäftigt, die Systeme und Spielweise des Gegners zu analysieren, nur damit er das richtige System ansagen kann. Das ist der Job des Coaches.
Grundsätzlich sollte ein Coach aber immer beim Scouting sich die Statistiken der Spieler ansehen, insbesondere dann, wenn er das Team noch nicht hat spielen sehen. Im Zeitalter des Internets sollte das ja kein Problem sein. Ebenfalls sollte nach „bekannten Namen“ Ausschau gehalten werden, von denen man schon einiges aus der Historie weiß oder die vielleicht eine Saison zuvor eine Liga höher spielten. Manchmal hat man als Coach ja auch einen guten Draht zu einem anderen Coach aus der Liga und kann sich mit dem über Gegner austauschen. In meiner ersten Saison in der 1. Regionalliga hatte ich so eine Allianz mit einem anderen Coach aus der Liga. Wir schrieben uns gegenseitig nach den Spielen Mails und tauschten uns auf diese Art und Weise über Gegner aus, gegen die wir noch nicht gespielt hatten.

Martin: Wenn man das dann nicht in einer Auszeit hinbekommt, ist es ja wahrscheinlich sinnvoller, mit den Spielern auf der Bank zu reden und diese dann mit den neuen Vorgaben einzuwechseln, oder?

Marco: Wenn z.B. nur ein einzelner Spieler Fehler macht, dann kann man einen Benchplayer auf’s Feld schicken und seinem „Starting 5“ Spieler in der Zeit auf der Spielerbank sagen, was er anders machen soll und ihn dann wieder auf das Feld schicken. Das ist sicherlich eine Möglichkeit. Aber meist reicht eine Auszeit, um das Team richtig einzustellen. Wenn eine Auszeit nicht ausreicht, weil zu viel schief läuft, dann ist es auch annähernd unmöglich derart viele erforderliche Modifikationen innerhalb eines Spiels vorzunehmen, sodass sie auch umgesetzt werden können. Im Jugendbereich kann auch ein Wechsel „5 gegen 5“, also das komplette vom Feld zu nehmen, eine Alternative darstellen, insbesondere dann, wenn man ein schnelles, druckvolles Spiel aufziehen möchte.

Martin: Vielen Dank für das interessante Interview. Hat wieder Spaß gemacht und ich denke, dass die Leser/ Trainer vielleicht das Ein oder Andere als Tipp gut gebrauchen können. Man lernt als Coach nie aus…

Marco: Ich danke auch dieses spannende Thema für deine Leser mit dir besprechen zu können. Bis in einem Monat wieder.

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