Interview mit Sebastian Altfeld zum Thema: Coaching im U12 Bereich

In diesem Interview geht es um das Coaching einer U12 Mannschaft. Wie spreche ich Kinder richtig an? Wie vermittele ich Ihnen, was sie falsch machen? Welche Fehler sollte man im Coaching auf keinen Fall machen und wie wichtig ist eigentlich Gewinnen in diesem Alter? Als Interviewgast habe ich mit Sebastian Altfeld einen erfahrenen Trainer sowie ausgebildeten Sportpsychologen gewonnen. Natürlich dürften die Antworten auch für Coaches älterer Teams sehr lesenswert sein. Wir haben uns bemüht viele Informationen zu dem Thema zur Verfügung zu stellen. Über ein Feedback freuen wir uns natürlich immer 🙂 Und jetzt geht es mit dem Interview los…

 

Martin:
Hallo Sebastian. Ich freue mich bereits auf unser folgendes Interview. Stell dich einfach mal zu Beginn kurz vor!

Sebastian:

Hallo Martin. Danke zunächst für die Einladung. Ich freue mich, hier einige meiner Gedanken, Ideen und Erfahrungen in Bezug meiner Leidenschaft Basketball teilen zu dürfen. Wie man daraus vielleicht ersehen kann, bin ich durch und durch Basketballer. Neben meiner jahrelangen aktiven Zeit als Spieler, war ich als B-Lizenztrainer für diverse Leistungsmannschaften (JBBL bis U12), Grundschulprojekte und Camps aktiv. Neben dieser Leidenschaft habe ich beruflich eine weitere Passion gefunden, die meine Arbeit als Trainer sehr bereichert hat. Im Anschluss an mein Psychologiestudium habe ich meine Weiterbildung als Sportpsychologe abgeschlossen und betreue seitdem diverse Athleten, Mannschaften, Trainer und Schiedsrichter. Dabei bearbeite ich Themen wie mentale Stärke, Konzentration, Umgang mit Fehlern und Kommunikation.

Martin:

Als Thema für unser heutiges Interview habe ich mir folgendes Thema ausgesucht: „Coaching im U12 Bereich“. Fangen wir mal an: Kann man wichtige Vorgaben für das Coaching mit Kindern in ein paar wichtige Themenbereiche aufteilen?

Sebastian:

Ich denke, dass man dieses Thema sehr gut in die Bereiche „Kommunikation“ mit den Unterpunkten „positives Coaching“, „bildliche Sprache“ und „Fragen stellen“, sowie in den Bereich „Körpersprache“ aufteilen kann. Viele Trainer vergessen sehr häufig, dass Kinder sehr viele Informationen aus der Körpersprache des Coaches ziehen. Und wenn ein Trainer nach einem verworfenen Korbleger mit einem gesenkten Kopf oder einer unbewussten Handgeste seiner Enttäuschung freien Lauf lässt, so verliert man einen Spieler oder eine Spielerin sehr sehr schnell. Ein Bewusstsein für seine eigene Wirkung ist vor allem im Kinderbereich enorm wichtig.

Martin:
Wie spreche ich Kinder im Alter von U12 Spieler an, so dass sie mich verstehen?

Sebastian:
Da wir leider häufig nicht wissen, was Kinder tatsächlich von unseren Erklärungen aufgenommen haben, kann ich nur raten zu fragen. Am Ende einer Erklärung durch die Spieler die wichtigsten Keypoints rausstellen lassen ist Gold wert. Zum Einen ist es eine perfekte Kontrolle für mich und zum Anderen erhöht es die Aufmerksamkeit der Kinder, da sie sich bewusst machen, dass sie dran kommen könnten. Hinzukommend führt das eigene Wiederholen zur verbesserten Abspeicherung. Dadurch wird dem Spruch „durch das eine Ohr rein und durch das andere raus“ vorgebeugt.
Zudem kann ich nur raten eine einfache, positive und bildhafte Sprache zu verwenden. Anstelle dem Kind zu sagen, was es falsch gemacht hat, sollte immer gesagt werden, wie es richtig geht und dies mit lebhaften Bildern verdeutlicht werden. So ist ein Satz wie „steh stark wie eine Wand“ eine schöne Metapher für die Verteidigungsspannung.

Martin:
Positives Coaching ist ein wichtiger Punkt. Wie kann ich den Spielern nun während des Spiels vermitteln, was sie gerade falsche gemacht haben? Was sollte ich auf jeden Fall nicht sagen?

Sebastian:
Eine positive Atmosphäre ist für das Lernen von Kindern unglaublich wichtig. Ernsthaftigkeit ist natürlich eine Grundlage, aber Spaß und keine Angst Fehler zu machen ist das „A“ und „O“ für die Entwicklung von Spielern. Bevor ich den Spieler also auf einen Fehler hinweise sollte zunächst immer etwas Positives vorgeschaltet sein und im Anschluss etwas Positives folgen. Zum Beispiel „du hast den Spieler gerade gut aufgenommen, achte das nächste Mal aber darauf, dass du am Ende auch die Grundlinie mit deinem Fuß zu machst! Ansonsten hast du das toll gemacht!“.
Ich habe zudem ganz großartige Erfahrungen mit Fragen gemacht. Dadurch muss der Spieler sich die Lösung selbst erarbeiten und speichert diese besser bzw. ruft sie schneller ab. Ich finde daher zum Beispiel gut nach einem Wechsel zu fragen „Was war gut und was kannst du besser machen?“. Anschließend bekommt das Kind dann noch das Trainerfeedback.
Wenig produktiv ist ein negativer, fehlerbezogener Coachingstil, bei dem Fehler bestraft werden und den Spielern das Gefühl gegeben wird, dass nur perfekte Leistung zählt.

Martin:
In dem Alter sind Motivation und Spaß ein sehr wichtiger Faktor, richtig? Wie kann ich das effektiv in mein Coaching aufnehmen?

Sebastian:
Motivation geht in dem Alter mit Spaß einher. Haben Kinder keinen Spaß an der Sache, verlieren sie schnell die Lust und das Interesse. Indem ich eine Atmosphäre schaffe, in der den Spielern immer neue Aufgaben geboten werden und ihnen das Gefühl gegeben wird, dass sie Dinge ausprobieren können, wird die Bindung zum Spiel gefördert. Dabei sollten die Aufgaben abwechslungsreich und herausfordernd sein, sowie an das Leistungsniveau des Teams angeglichen sein. Ich verstehe einen Trainer dabei als Entertainer, der die Mischung zwischen lustig und ernsthaft finden muss. Auch in seiner eigenen Art. Ein Lächeln im Training, aufmunternde, motivierende Worte gemischt mit fordernden Inhalten führen nach meinen Erfahrungen zu guten Ergebnissen und zufriedenen Spielern.

Martin:
Wie viel Kritik verträgt ein U12 Spieler? Das ist wahrscheinlich bei jedem Spieler etwas anders!?

Sebastian:
Natürlich sollte man seine Spielern kennen und wissen, wie jeder Spieler tickt. Jedoch verträgt jeder Spieler Kritik, jedoch ist die Verpackung entscheidend. Ich kann einem Spieler sagen, dass seine vorige Aktion nicht „die sinnvollste war“. Der Weg ist aber entscheidend! Ich kann hier erneut nur Raten die Spieler selbst zu fragen und sie eventuell auch zu fragen „Wenn du Trainer wärst, was würdest du dazu sagen?“. Man ist schon überrascht, welches Wissen und Verständnis in dem Alter von Basketball und der „richtigen“ Entscheidung haben.

Martin:
Welche Fehler sollte man definitiv im Coaching mit Kindern vermeiden?

Sebastian:
Ein negativer, cholerisches Umgangsstil, sowie inkonsistentes Verhalten führen zu Verunsicherung. Lustlosigkeit und Abfall der Leistung. Kinder brauchen eine sichere Umgebung und müssen Einschätzen können, was passiert. Hinzukommend sollte ein Trainer sich bewusst sein, dass die Arbeit mit Kindern sehr viel Energie benötigt, was eine gewisse mentale Vorbereitung voraussetzt. Ein großer Fehler ist somit direkt aus dem stressigen Büro punktgenau im Training anzukommen und das Training zu Beginnen. Die erhöhte Spannung zeigt sich dann in einem kürzeren Geduldsfaden und einer schnelleren Reizbarkeit. Ich denke, dass diese Erfahrung durch jeden schon mal gemacht wurde. Mein Rat ist daher, sich vor dem Training ein paar Minuten Zeit zu nehmen und sich auf das Training vorzubereiten. In der Zeit können die Spieler ja bereits Dribbelübungen oder andere Aufgaben absolvieren. Ein ausgeglichener Gefühlszustand ist viel hilfreicher für die Arbeit und das eigene Wohlbefinden.

Martin:
Was können Kinder in diesem Alter behalten und was vergessen sie schnell wieder? Wie können sie sich etwas besser behalten?

Sebastian:
Was ich immer wieder bei Trainern in allen Altersklassen feststellen muss ist, dass sie vor den Spielern einen Monolog halten. Im Training, vor dem Spiel oder in der Auszeit und sich dann wundern, dass die Spieler etwas vollkommen anderes machen. Die Menge der kurzfristig speicherbaren Informationen beim Menschen ist beschränkt und bei Kindern geringer als bei Erwachsenen. Zudem wird diese Menge durch körperliche Anstrengung reduziert. Dies ist vergleichbar mit der Situation, wenn man Müde ein Buch liest und am Ende der Seite feststellt, dass man gar nicht mehr weiß, was man gelesen hat. Daher ist vorallem bei Kindern entscheidend, einfache und einschlägige Schlagwörter zu verwenden, die die wichtigsten Informationen zusammen fassen. So kann man die tiefe Verteidigungsposition mit schnellen Sidesteps unter „Spannung“ zusammenfassen und der Spieler weiß sofort, was damit gemeint ist.
Zum anderen ist für die Abspeicherung von Informationen das Überdenken ein entscheidender Faktor. Sprich, die Spieler durch Fragen dazu bringen, über das Gesagte nachzudenken. Dadurch wird die Info abgespeichert und das Abrufen verbessert.

Martin:
Ein weiterer wichtiger Punkt ist sicherlich das Selbstvertrauen eines Spielers. Wie kann man Kindern Selbstvertrauen im Spiel vermitteln, besonders wenn mal nicht alles funktioniert?

Sebastian:
Kindern, die dazu tendieren nach mehrmaligen Fehlwürfen den Kopf hängen zu lassen, kann man dadurch helfen, indem man den Fokus mit ihnen verlagert. Neben aufmunternden und motivierenden Worten, wo wir wieder bei der positiven Atmosphäre wären, kann man mit dem Spieler raus arbeiten, was denn heute gut geklappt hat und worauf er sich denn sonst konzentrieren kann. So kann es hilfreich sein den Spieler zu fragen „Was war denn heute gut? Kannst du mir und dem Team mehr davon geben?“.

Martin:
Kommen wir mal etwas zum basketballerischen Bereich. Wie kann man Kindern vermitteln, wie man auf dem Feld als Team auftreten muss, so dass sie besser zusammenspielen?

Sebastian:
Da gibt es sehr viele verschiedene Ideen und Ansätze. Eine schöne Möglichkeit bieten Kooperationsspiele, bei denen Spieler nur zusammen ein Ziel erreichen können. Ansonsten sind alle Teambuildingmaßnahmen super. Entscheidend ist halt, wie es verkauft wird. Ob man die Übung macht und nur so stehen lässt oder im Anschluss die Message mit den Spielern erarbeitet.

Martin:
Ein weiterer interessanter Punkt wäre der Bereich Spielerwechsel. Sicherlich sollten in diesem Alter alle Spieler des Teams die Möglichkeit bekommen einige Minuten in jedem Spiel auf dem Feld sein zu können. Was sagt man Spieler, die ausgewechselt werden und was gibt man Spielern mit, die eingewechselt werden sollen? Begründet man Wechsel bei Kindern?

Sebastian:
Das ist nicht nur im Kinderbereich eine Herausforderung. Wie ich bereits geschrieben habe finde ich es immer gut zu fragen „was war gut und was kannst du besser machen?“. Einem Spieler der aufs Feld kommt kann man dann zum Beispiel fragen, „was sind deine Aufgaben?“. Wenn ein Spieler offensichtlich traurig über seine Auswechslung ist, sollte man mit diesem nochmals kurz sprechen und ihm den Wechsel begründen. Dabei sollte ein Trainer jedoch darauf achten, einen Spieler niemals nach einer schlechten Aktion auszuwechseln, oder dann nur um ihn ein kurzes Feedback zu geben und dann anschließend zurück aufs Feld zubringen.

Martin:
Wie wichtig ist das Gewinnen von Spielen?

Sebastian:
In meinen Augen ist Gewinnen in dem Alter sekundär aus Sicht der Trainer. Allerdings ist für die Spieler das Gewinnen ein wichtiger Gradmesser und das muss einem Trainer bewusst sein. Man muss also als Trainer den Spagat zwischen Entwicklungsförderung, Spaß und Erfolg zu schaffen und das ist die größte Herausforderung, die einem Jugendtrainer gegenübersteht.

Martin:
Sollte man für ein Team bestimmte Regeln aufstellen, was sie dürfen und was nicht? Kann man alle Kinder gleich behandeln – jeder ist ja etwas anders gestrickt?

Sebastian:
Ich denke, dass es sehr hilfreich ist, mit den Kindern einen Verhaltenskatalog aufzustellen und Dinge wie Pünktlichkeit, Respekt und andere wichtige Werte festzuhalten und als Trainer vorzuleben. Dabei ist natürlich das Fingerspitzengefühl gefragt, wie ich auf Verstöße reagiere.

Martin:
So, jetzt haben wir bestimmt einige wichtige Dinge zu dem Thema besprochen und bestimmt noch eine Menge nicht angesprochen. Was möchtest Du den Lesern zum Schluss noch mit auf den Weg geben?

Sebastian:
Ich denke, dass die wichtigste Message aus meiner Sicht ist, dass man viel mit den Spielern sprechen sollte. Und dieses Sprechen beinhaltet keinen Monolog von Trainerseite, sondern der Austausch über die Gedanken und Gefühle der Spieler. Dadurch bekommt man die Möglichkeit den Spieler kennen zu lernen und eine positive Atmosphäre zu schaffen. Denn Coaching kann nur stattfinden, wenn der Spieler auch zu hört!

Martin:
Vielen Dank für das Interview. Ich denke wir haben einige sehr wichtige Themen besprochen! Vielleicht finden wir demnächst noch mal die Gelegenheit ein weiteres Interview zu machen.

Sebastian:
Ich habe zu danken und ich freue mich auf das nächste Mal!


Links zu dem Thema:

http://www.sebastianaltfeld-coaching.de/      
https://www.facebook.com/Sebastianaltfeld

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